NEWS PLATFORMS

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News-Plattformen statt einzelner Verlagsangebote – Aufbruchsstimmung im Bereich Digital Publishing. Was steckt hinter der Apple News App, Instant Articles von Facebook, der Google Digital News Initiative (DNI) und Startups wie Blende?

Bisher haben Verlage im digitalen Bereich versucht ihr Print-Geschäftsmodell 1:1 abzubilden. Doch nur wenige Verlage haben bislang von dieser Strategie profitiert, denn besonders die Monetarisierung lässt sich nicht auf die digitale Welt übertragen. Während der Kauf am Kiosk selbstverständlich ist, wird eine Paywall im Netz oder auf mobilen Geräten für viele Leser zu einem KO-Kriterium. Für den Großteil der Verlage ist der Verkauf von Werbeflächen die einzige Möglichkeit der Monetarisierung, doch dafür benötigen die Publikationen Reichweite. Das können sie nur schaffen, wenn sie außerhalb ihrer Zielgruppe wahrgenommen werden. Ein Problem, dass die Verlage bisher selbst nicht lösen konnten.

Nach langem Stillstand wurde das Problem jetzt von mehreren Playern erkannt und ambitioniert angegangen. Apple, Facebook, Google und eine Reihe an Startups haben Pilotprojekte gestartet, um den Inhalten von verschiedenen Verlagen eine gemeinsame Plattform zu bieten. Ein zentraler Punkt aller Plattformen ist die Entbündelung der Nachrichten. Dabei werden einzelne Artikel und nicht mehr ganze Publikationen in den Fokus gestellt.

Im Grunde genommen sind alle Angebote ähnlich aufgebaut: Verlage haben die Möglichkeit, einzelne Artikel für eine News-Plattform bereitzustellen, die als App verfügbar ist. Damit bedienen sie auch den Markt der mobilen Geräte, der bisher recht stiefmütterlich behandelt wurde. Der Ansatz „mobile first“, konnte sich in der Verlagswelt nie wirklich durchsetzen. Plattformen, die auf allen Kanälen genutzt werden können, spielen den Verlagen da in die Karten.

Auch für den Leser ergeben sich Vorteile: Sie haben die Wahl zwischen Artikeln verschiedener Verlage und können durch Personalisierung bestimmte Angebote auswählen oder ausschließen. Auf den ersten Blick also genau das, was RSS-Reader schon seit Jahren anbieten.

Was also zeichnet die Apple News App, Instant Articles von Facebook, Google Digital News Initiative (DNI) und Startups wie Blendle aus?

Apple News App

Vor zwei Wochen wurde die neue Apple News App auf der jährlichen Entwicklerkonferenz WWDC 2015 angekündigt. Die News App soll die Newsstand App vollständig ablösen. Der Fokus liegt nicht mehr auf den gebündelten Publikationen eines Anbieters, sondern auf einer großen Auswahl aus unterschiedlichen Quellen. Aus den bisherigen Apps im Newsstand werden ganz normale Apps. User können in der News App ein personalisiertes Magazin aus verschiedenen Quellen zusammenstellen.

News platforms Wired on smartphoneWie bei einem RSS-Reader wird anhand der Auswahl von bevorzugten Medien und Themengebieten automatisch ein individuelles Magazin erzeugt, vergleichbares macht Flipboard bereits seit Jahren. Die Publikationen sind einzelne Artikel, die von den Verlagen und Anbietern in die News App publiziert werden. Laut den Developer FAQ kann ebenso jeder Blogger seinen RSS-Feed einbinden und so zum Publisher werden. Allerdings haben Partner die Möglichkeit, eigene Layouts anzulegen, in die auch Bildergalerien und Videos geladen werden können.

Die New York Times wurde sowohl von Apple News als auch von Facebook Instant Article als Partner vorgestellt. Im Vergleich sehen sich die vorgestellten Artikel sehr ähnlich. Das liegt natürlich im Interesse der Verlage, die mit ihrem Stil herausstechen und auch auf den verschiedenen Plattformen wiedererkannt werden wollen.

Kritik gab es bereits von Seiten der Blogger already expressed, die nicht einverstanden damit sind, dass ihre RSS-Feeds automatisch zu Apples Angebot hinzugefügt werden.

Vorerst wird das Angebot nur in den USA, Großbritannien und Australien mit englischsprachigen Inhalten verfügbar sein. Apple Senior Vice President Eddy Cue sagte dazu in der Pressemitteilung „We already have nearly 20 publishers representing more than 50 titles joining us, including Condé Nast, ESPN, The New York Times, Hearst, Time Inc., CNN and Bloomberg,“. Wann das Angebot auf dem deutschsprachigen Markt ausgerollt wird ist noch unklar.

Ein weiterer Punkt, der noch im Dunkeln liegt ist der monetäre Vorteil der teilnehmenden Partner. In den Developer FAQ kann man entnehmen, dass Partner Werbebanner einbinden können. Dabei sollen 100 % der Werbeeinahmen an die Publisher gehen. Leere Flächen werden mit Anzeigen von iAd, der Hauseigenen Werbeplattform von Apple, bespielt. Bei dieser Variante sollen die Publisher noch 70% der Werbeeinahmen erhalten.

Nicht nur die Publisher, sondern auch die Nutzer sollen von der Umstellung von Newsstand auf Apple News profitieren. Die neue App soll keine individuellen Daten mehr erfassen und somit die Privatsphäre besser schützen. Außerdem können die User die Artikel auch außerhalb der App in verschiedene Kanäle teilen.

Facebook Instant Articles

Facebooks Instant Articles hat für reichlich Wirbel in der Medienwelt gesorgt: Mit der im Stream integrierten Lösung können User Artikel lesen ohne Facebook zu verlassen. Bisher klicken User auf Links, die dann auf die externe Quelle linkt. Dabei geht Facebook der User „verloren“ – er verlässt Facebook.

Ein weiteres Problem ist für Facebook, auch die aktuelle Qualität vieler Nachrichten-Links. ‘Click-baiting’ ist ein großes Problem, das User nervt. Unseriöse Publisher werben mit provokativen Überschriften, die eigentlich kaum etwas über den Inhalt aussagen, wie z.B. „Niemand hat geglaubt das es möglich ist aber sie hat alle vom Gegenteil überzeugt.“. Die User sind durch diese Nachrichten gestresst, deswegen hat Facebook schon angekündigt dagegen vorzugehen. Durch das direkte Einbinden der Nachrichten, zählen nicht nur Schlagzeilen sondern der gesamte Artikel.

Die Publisher sind als Nachrichten-Lieferanten natürlich wertvolle Partner für Facebooks Instant Articles. Deshalb ist Instant Articles in erster Linie eine Plattform für Publisher, auf der sie einzelne Artikel einstellen können. Auch hier haben sie die Möglichkeit, das Layout der Artikel zu beeinflussen. Facebook wies aber besonders darauf hin, dass auch ohne Zutun der Publisher automatisch schöne Artikel erstehen.

Genau wie bei Apples News App können die Publisher Werbung einbinden, deren Erlöse dann an die Publisher gehen. Freie Flächen werden über Facebooks Audience Network bespielt. Im Gegensatz zu Apple-News lassen sich die Artikel vorerst auch nur in Facebook selbst teilen.

Wie erfolgreich Instant Articles wirklich wird, bleibt abzuwarten. Seit dem 13. Mai wurden keine neuen Artikel der ersten Partner veröffentlicht.

Blendle, Pocket Story, Readly & Co.

Neben den großen Playern, gibt es weitere Startups, die sich zur Aufgabe gemacht haben, das Problem der Monetarisierung von redaktionellem Content im Web zu lösen. Blendle, eine News App mit Micropayment Funktionalität entspringt den Köpfen zweier niederländischer Studenten. Innerhalb kürzester Zeit konnten sie die großen Medienhäuser für ihre Idee gewinnen.

News platforms table ipad with blendle screen onGleich zwei namenhafte Verlage – Axel Springer und die New York Times investierten 3 Millionen Dollar in das kleine Startup. Auch bei Blendle spielt eine Plattform für Publisher die Hauptrolle. Gern werden diese Angebote als „Netflix für Journalismus“ beschrieben. Allerdings werden die Artikel direkt monetarisiert. Leser laden sich die App herunter und zahlen dann für jeden einzelnen Artikel einen kleinen Betrag. Sollte der Artikel nicht gefallen, hat der Leser die Möglichkeit, das Geld zurückzufordern. Bisher konnte Blendle in Deutschland unter anderem Bild, Die Welt, National, den Spiegel und die Zeit als Partner gewinnen.

Blendle ist mit dieser Idee natürlich nicht allein. Auch andere Anbieter versuchen sich an ähnlichen Konzepten. Pocketstory z.B. verfolgt die gleich Strategie wie Blendle, nur im Web anstatt in Apps. Readly hingegen setzt auf eine monatliche Flatrate für alle angebotenen Inhalte.

Fraglich ist, ob sich diese Dienste gegen die kostenlosen Angebote von Apple und Facebook durchsetzen können. Bisher ist die Bereitschaft direkt für digitale Inhalte zu zahlen bei dem Großteil der Mobilen- und Web-Leserschaft kaum vorhanden. Mehr Hintergründe dazu liefert der Digital News Report 2014.

Google News Digital Initiative (DNI)

Anfang des Jahres erregte Google Aufsehen mit der Ankündigung, 150 Millionen Euro in die Zukunft des digitalen Journalismus zu stecken. Die sogenannte Digitale News Initiative – kurz DNI – wurde von Google mit 8 Verlagen und 3 Publishing- bzw. journalistischen Organisationen aus Europa gegründet. Ziel ist es, neue Publishing Formate zu erarbeiten und auszuprobieren. Mittlerweile sind auch weitere Partner beigetreten. Die Mitglieder entscheiden gemeinsam, welche Projekte gefördert werden sollen. In enger Zusammenarbeit mit der Produktentwicklung von Google sollen auch alle technischen Möglichkeiten ausgereizt werden.

Einer der Gründe für die Initiative von Google ist sicherlich der anhaltende Streit über Leistungsschutzrechte zwischen den großen Verlagen und Google. Mit diesem Programm kann sich Google News gegenüber den Verlagen als strategischer Partner positionieren.

The Guardian hat sich noch genauer mit den Hintergründen beschäftigt. Nach den ersten drei Monaten der Gründung der Google Digital News Initiative gab es bisher noch keine Erfahrungsberichte oder Projekte, die aus der Initiative entsprungen sind. Eine denkbare Möglichkeit wäre z.B. der Einsatz von Virtual Reality für digitales Storytelling. Wir sind also sehr auf die ersten Ergebnisse gespannt.

Die Art und Weise wie Verlage produzieren wird sich deutlich ändern

Neben der Möglichkeit einzelne Artikel dezentral auf Plattformen anzubieten, testen Verlage weiterhin Möglichkeiten die eigenen Angebote zu monetarisieren. Zum einen nutzen sie Dienste wie Later Pay, Flattr, Pay with a tweet und Pay Pal als Micropayment-Systeme und zum anderen werden immer wieder Paywalls für „VIP“ Inhalte ausprobiert. Doch auch die Finanzierung durch Werbung, insbesondere nativer Werbeeinbindung entwickelt sich weiter.

All diese Veränderungen und Initiativen verändern den Anspruch an die erzeugten Inhalte und damit die Art und Weise wie sie produziert werden. Im Idealfall wird ein Artikel einmal erzeugt und dann automatisiert in alle gewünschten Kanäle publiziert. Die Unabhängigkeit bei der Produktion ist eine wichtige Voraussetzung für qualitativen und freien Journalismus. Digital Publishing Suites können Ihnen dabei helfen, Inhalte mediengerecht zu produzieren und sich neuen Begebenheiten schnell anzupassen.

Kontaktieren Sie uns, wenn Sie herausfinden möchten, wie Sie mit einfachen Mitteln Ihren Workflow an die neuen Anforderungen anpassen und so von der neuen Möglichkeiten der Verbreitung und Monetarisierung profitieren können.

Was denken Sie? Werden sich die Angebote der kleineren Startups gegen die großen Player durchsetzen? Wie wird sich das Konsumverhalten der Leser verändern? Für welche Angebote sind Sie bereit Geld auszugeben?

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